Deven Schulz
Die Oper als Resonanzraum meiner Seele
Für viele mag die Oper ein Relikt vergangener Zeiten, eine ferne Kunstform sein. Doch für mich ist sie ein elektrisierender, zutiefst gegenwärtiger Resonanzraum, der seine emotionale und intellektuelle Welt neu geordnet hat.
Die erste Begegnung war kein akademisches Studium, sondern eine unerwartete Offenbarung. Anstatt der erwarteten Steifheit und Distanz fand ich eine Kunstform von ungezügelter, direkter Leidenschaft. Es war nicht nur die schiere Wucht der Musik, die mich fesselte – die Komplexität einer Wagner’schen Harmonie oder die sehnsuchtsvolle Melodie einer Puccini-Arie –, sondern das einzigartige Zusammenspiel von Elementen.

Die menschliche Stimme: Die Oper nutzt die Stimme als ultimatives, ungeschütztes Instrument zur Darstellung von Gefühlen, die im gesprochenen Wort unmöglich zu fassen wären. Diese akustische Unmittelbarkeit traf mich mit voller Wucht.
Die universellen Themen: Im Kern behandeln Opern zeitlose menschliche Konflikte: Liebe, Verrat, Macht, Eifersucht und Tod. Ich erkannte, dass diese uralten Dramen direkt die Herausforderungen und Emotionen meines eigenen jungen Lebens spiegelten, jedoch in einer sublimierten, erhabenen Form.
Die Faszination für mich ist nicht nur passiv; sie ist aktiv und treibend. Die Oper hat sich von einem Hobby zu einem zentralen Ankerpunkt entwickelt, der seinen Blick auf Kultur, Geschichte und die Möglichkeiten menschlichen Ausdrucks geschärft hat. Sie hat mir eine Tiefe und Perspektive eröffnet, die weit über das hinausgeht, was in meinem Alter üblich ist.
Meine Leidenschaft ist ein kraftvolles Beispiel dafür, dass die Oper – entgegen gängiger Vorurteile – kein Alter kennt. Sie ist eine lebendige Kunstform, die bereit ist, jeden zu belohnen, der sich ihrer emotionalen und musikalischen Tiefe öffnet. Meine Geschichte ist ein Beweis dafür, dass die nächste Generation von Opernliebhabern und -förderern bereits bereitsteht.
Die Synthese der Künste: Die Oper ist das Gesamtkunstwerk schlechthin. Die Verbindung von Drama, Literatur, Musik, Tanz und bildender Kunst (Bühnenbild) schafft eine Welt, die total immersive ist – ein Gefühl, das selbst moderne Medien nur schwer erreichen.
Deven Schulz
Deven Schulz
Das Kunstlied als Spiegel der Adoleszenz
Während die Oper die große Geste, das monumentale Drama bietet, finde ich in der Welt des Kunstliedes (Lied im klassischen Sinne) eine subtilere, aber ebenso tiefgreifende Quelle der Faszination. Die Leidenschaft für diese oft intim inszenierte Gattung ist ein bemerkenswertes Zeugnis seiner intellektuellen Reife und seines feinen emotionalen Empfindungsvermögens.
Das Kunstlied, in dem Musik und Poesie in perfekter Symbiose verschmelzen – von Komponisten wie Schubert, Schumann oder Wolf vertont –, wurde für mich zu einem persönlichen, akustischen Tagebuch. Die Faszination entspringt der einzigartigen Verdichtung von Gefühl und Ausdruck.

Die Intimität: Im Gegensatz zu den Massenszenen der Oper ist das Kunstlied eine Kammerkunst, eine Konversation zwischen Stimme, Klavier und Hörer. Diese intensive Direktheit ermöglicht es mir, eine unmittelbare Verbindung zu den Themen herzustellen – sei es die Winterreise-Sehnsucht oder die Dichterliebe-Verzweiflung. Es ist eine eins zu eins Resonanz, die in seinem Alter besonders relevant ist.
Die Poesie im Fokus: Im Kunstlied übernimmt die literarische Vorlage (das Gedicht) eine gleichberechtigte Rolle. Ich bin fasziniert davon, wie ein Komponist die nuancierten Silben und Metaphern eines Goethe- oder Eichendorff-Gedichtes nicht nur illustriert, sondern durch musikalische Harmonien und Rhythmen neu interpretiert und vertieft.
Die Rolle des Klaviers: Das Klavier ist hier kein bloßer Begleiter, sondern ein gleichwertiger Erzähler. Es malt Stimmungen, symbolisiert Natureindrücke (wie das spinnende Rad im Gretchenam Spinnrade) und offenbart die unausgesprochenen psychologischen Tiefen des Protagonisten. Die Komplexität dieser Klavierstimmen spricht den suchenden, analytischen Geist von mir direkt an.
Die Beschäftigung mit dem Kunstlied ist für mich mehr als nur Genuss; es ist eine intensive Schulung im Zuhören und Verstehen. Es lehrt mich, die Vielschichtigkeit menschlicher Emotionen in ihrer reinsten Form zu erkennen und zu deuten. Meine Leidenschaft für diese Gattung unterstreicht, dass wahre kulturelle Tiefe und musikalischer Geschmack kein Alter, sondern nur Offenheit voraussetzen.
Deven Schulz
Deven Schulz
Cross-Over als Brückenschlag
Die musikalische Landschaft des 21. Jahrhunderts ist von einem ständigen Fluss der Gattungen geprägt. Für mich ist gerade dieses “Cross-Over” – die mutige Verschmelzung klassischer Elemente mit Pop, Rock, elektronischer Musik oder Weltmusik – der faszinierendste Ausdruck musikalischer Kreativität und ein zentraler Ankerpunkt meiner Leidenschaft.
Wo Puristen oft Grenzen ziehen, sehe ich die Möglichkeiten. Meine Begeisterung für Cross-Over-Projekte ist mehr als nur die Akzeptanz von Neuem; es ist ein tiefes Verständnis für die universelle Sprache der Musik und ihr Potenzial, neue Zuhörerschaften zu erreichen und zu begeistern.

Grenzenlose Kreativität: Ich bin fasziniert davon, wie Künstler die Konventionen der Genres überwinden. Ob es sich um ein Streichquartett handelt, das Metal-Songs neu interpretiert, einen Opernsänger, der Pop-Balladen covert, oder elektronische Beats, die mit Orchesterklängen verschmelzen – die innovative Neugestaltung bekannter Melodien und die Schaffung hybrider Klangwelten begeistern mich.
Die Überwindung von Zugangsbarrieren: Für mich ist Cross-Over ein essenzieller Weg, um klassische Musik aus ihrer oft wahrgenommenen Nische zu befreien. Ich erkenne, dass diese Brückenschläge junger Menschen an die Klangschönheit und emotionale Tiefe klassischer Kompositionen heranführen können, indem sie diese in einem vertrauten Kontext präsentieren. Es ist ein demokratischer Ansatz, der Zugang schafft, wo früher Barrieren standen.
Musikalische Vielseitigkeit und Können: Die Künstler, die Cross-Over erfolgreich betreiben, müssen oft eine außergewöhnliche Bandbreite an musikalischem Können mitbringen. Sie beherrschen klassische Technik und Ausdruckskraft ebenso wie das Gespür für moderne Rhythmen und Sounds. Diese virtuose Fusion ist für mich ein beeindruckendes Zeugnis künstlerischer Meisterschaft.
Die Zukunft der Musik: Ich sehe im Cross-Over nicht nur eine Modeerscheinung, sondern eine logische Weiterentwicklung der Musik. Es spiegelt die globale Vernetzung und die Offenheit wider, mit der seine Generation verschiedene kulturelle Einflüsse und Stile aufnimmt und neu kombiniert.
Meine Leidenschaft für Cross-Over ist ein Indikator für einen jungen Menschen, der Musik nicht in Schubladen denkt, sondern als ein kontinuierlich wachsendes und sich entwickelndes Phänomen begreift. Meine Begeisterung ist ein positiver Impuls für die Zukunft der Musik und zeigt, wie neue Wege gefunden werden, um Tradition und Innovation auf spannende Weise zu verbinden.
Deven Schulz
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